Eine Waage am Ende der Packstrecke ist das schnellste Mittel, um ein unvollständiges Set zu finden: Set auflegen, Anzeige grün oder rot, weiter. Wie zuverlässig sie das tut, hängt aber nicht an der Waage, sondern an zwei Zahlen aus der Stückliste – dem Gewicht der leichtesten Komponente und der natürlichen Streuung aller Teile. Dieser Beitrag rechnet an einem Starter-Kit durch, wo die Grenze liegt, und zeigt, welche Teile deshalb vom Vorlagebrett und vom Blick vor dem Umkarton abgesichert werden müssen.
Wie wird das Sollgewicht eines Sets festgelegt?
Das Sollgewicht ist das Gewicht eines vollständigen, freigegebenen Sets einschließlich Schachtel, Tray, Beilegern und Etikett. Wir bestimmen es nicht aus dem Datenblatt, sondern am Erstmuster: Sobald alle Komponenten der ersten Charge eingetroffen sind, bilden wir die ersten Sets, wiegen sie als Referenz und hinterlegen den Wert auf der Zählwaage. Zusätzlich wiegen wir jede Komponente einzeln, meist zehn bis zwanzig Stück je Position. Erst diese Einzelwerte zeigen, wie stark ein Teil von Stück zu Stück schwankt – und genau das entscheidet über die Toleranz.
Warum muss die Toleranz kleiner sein als die leichteste Komponente?
Die Toleranz ist das Fenster um das Sollgewicht, in dem die Waage ein Set noch als vollständig durchlässt. Fehlt eine Komponente, sinkt das Gewicht genau um deren Gewicht. Liegt dieses Gewicht innerhalb des Fensters, bleibt die Anzeige grün – das fehlende Teil fällt nicht auf. Daraus folgt die Grundregel: Jedes Set kommt auf die Zählwaage mit hinterlegtem Sollgewicht; die Toleranz liegt unter dem Gewicht der leichtesten Komponente – ist ein Teil leichter als die Waagentoleranz, etwa ein Beileger, übernimmt zusätzlich die Sichtkontrolle (Richtwert, verbindlich mit dem Erstmuster).
Die Regel hat eine zweite Hälfte, die oft übersehen wird: Die Toleranz darf auch nicht kleiner sein als die natürliche Streuung vollständiger Sets. Sonst meldet die Waage laufend Sets als fehlerhaft, die in Wahrheit komplett sind. Das Fenster muss also zwischen zwei Grenzen passen – größer als die Streuung, kleiner als das leichteste Teil, das die Waage finden soll.
Wie stark schwanken die Einzelgewichte der Komponenten?
Keine Komponente wiegt immer gleich. Füllmengen von Tuben und Flaschen schwanken, Kartonagen ändern ihr Gewicht mit Grammatur und Luftfeuchte, ein Kabel hat mal einen Kabelbinder mehr, mal einen weniger. Typische Größenordnungen aus unseren Wareneingängen:
| Art der Komponente | Streuung von Stück zu Stück (Größenordnung) | Woher sie kommt |
|---|---|---|
| Faltschachtel, Tray aus Karton | 1 – 3 % des Eigengewichts | Grammatur, Feuchte, Stanzreste |
| Gefüllte Tube, Flasche, Dose | 0,5 – 1,5 % des Gewichts | Füllmenge, Wandstärke |
| Gerät, Metall- oder Kunststoffteil | meist unter 1 % | Fertigungstoleranz, Schutzfolie |
| Beileger, Anleitung, Karte | sehr gering, aber das Teil selbst ist leicht | Papierqualität, Falzart |
Die Streuungen addieren sich nicht einfach auf. Weil nicht alle Teile gleichzeitig am oberen oder unteren Rand liegen, schwankt das fertige Set weniger, als die Summe aller Einzelschwankungen vermuten lässt. Deshalb messen wir die Streuung am Ende noch einmal an einer Reihe vollständiger Sets aus dem Erstmuster.
Erkennt die Waage jedes fehlende Teil in einem Starter-Kit?
Nehmen wir ein Starter-Kit für ein kleines Elektrogerät. Die Gewichte sind illustrativ, die Methode ist dieselbe wie bei jedem Auftrag:
| Komponente | Gewicht | Streuung ± | Fehlen erkannt bei Toleranz ±5 g? |
|---|---|---|---|
| Faltschachtel mit Automatikboden | 62 g | 2 g | ja |
| Tray aus Karton | 18 g | 1 g | ja |
| Gerät | 348 g | 3 g | ja |
| Ladekabel | 41 g | 1 g | ja |
| Aufsätze im Beutel | 27 g | 1 g | ja |
| Reinigungspinsel | 9 g | 0,5 g | knapp – nicht sicher |
| Anleitung | 21 g | 0,5 g | ja |
| Garantiekarte | 3 g | 0,1 g | nein |
| Set-EAN-Etikett | 1 g | – | nein |
| Sollgewicht | 530 g | rund 4 g am fertigen Set |
Die gemessene Streuung vollständiger Sets liegt bei rund ± 4 g. Eine Toleranz von ± 5 g lässt alle vollständigen Kits durch, das Fenster reicht von 525 bis 535 g. Fehlt das Ladekabel, zeigt die Waage 489 g – eindeutig rot. Fehlt dagegen der Pinsel, wiegt das Kit im Mittel 521 g, streut aber selbst um ± 4 g und kann damit bis 525 g erreichen. Das Teil ist also nur knapp schwerer als die Toleranz, und ein Teil der unvollständigen Kits käme durch. Garantiekarte und Etikett sind für die Waage schlicht unsichtbar.
Als Faustregel ergibt sich: Sicher erkennt die Waage nur Komponenten, die schwerer sind als Toleranz plus Streuung – in diesem Beispiel also mehr als etwa 9 bis 10 g wiegen. Alles darunter braucht eine zweite Sicherung.
Was geschieht mit Komponenten unterhalb der Waagengrenze?
Für leichte Teile gibt es zwei Absicherungen, die wir kombinieren:
- Vorlagebrett: Am Packplatz hat jede Komponente ein eigenes Fach auf dem Vorlagebrett, befüllt mit genau der Menge für eine feste Zahl Sets. Bleibt am Ende eines Durchgangs eine Garantiekarte übrig, fehlt sie in einem Set – der Durchgang wird geöffnet und geprüft, bevor die Kartons geschlossen sind.
- Blick vor dem Umkarton: In der 100 % Ausgangskontrolle geht jedes Set vor dem Einlegen in den Umkarton noch einmal durch eine Hand und unter ein Auge – bei geschlossenen Schachteln über ein festes Prüfbild, etwa die Lasche mit Karte obenauf vor dem Verschließen.
- Anordnung in der Schachtel: Wo es der Aufbau erlaubt, legen wir leichte Beileger so, dass sie beim Schließen als letztes sichtbar sind. Das ist mit Ihnen abgestimmt und im Foto der Arbeitsanweisung festgehalten.
Für den Pinsel aus dem Beispiel gibt es eine dritte Möglichkeit: die Toleranz auf ± 4 g verengen. Das erhöht aber die Zahl der Kits, die als fehlerhaft gemeldet und von Hand nachgeprüft werden. Welcher Weg günstiger ist, zeigt sich am Erstmuster.
Was erkennt die Waage außerdem – und was nicht?
| Fehlerbild | Waage | Absicherung |
|---|---|---|
| Schwere Komponente fehlt | erkennt sicher | – |
| Komponente doppelt eingelegt | erkennt, wenn schwerer als die Toleranz | Vorlagebrett: Fach leert sich zu früh |
| Leichter Beileger fehlt | erkennt nicht | Vorlagebrett, Sichtprüfung |
| Falsche Variante gleichen Gewichts | erkennt nicht | eigenes Fach je Variante, Abgleich alle 100 Sets mit dem Erstmuster |
| Neue Charge Faltschachteln, schwerer als bisher | meldet vollständige Sets als rot | Leergewicht je Verpackungscharge prüfen, Sollgewicht anpassen |
Die letzte Zeile ist in der Praxis häufiger, als man denkt: Liefert Ihr Kartonlieferant eine neue Charge mit anderer Grammatur, verschiebt sich das Sollgewicht um einige Gramm. Deshalb wiegen wir beim Wareneingang jeder Verpackungscharge Stichproben und passen das Sollgewicht an, bevor die Serie weiterläuft – dokumentiert im Protokoll.
Was passiert mit einem Set, das die Waage zurückweist?
Ein rot angezeigtes Set geht nicht in den Umkarton. Es wird geöffnet, mit der Stückliste verglichen, ergänzt oder neu gebildet und erneut gewogen. Fehlt ein Teil, weil es in der Anlieferung fehlte, ersetzen wir es aus der Reserve; beschädigte Teile gehen in den Bruch. Beides erscheint im Protokoll je Charge mit Position und Menge, Fehlmengen melden wir noch am selben Tag. Ein Versprechen auf null Fehler geben wir nicht – wohl aber eine Prüfkette, die Sie nachvollziehen können: Stückliste je Set, Vorlagebrett am Packplatz, freigegebenes Erstmuster, Abgleich alle 100 Sets, Sollgewicht auf der Zählwaage, Sichtprüfung jedes Sets und Protokoll je Charge.
Was kostet die Gewichtskontrolle je Set?
Das Wiegen ist bei uns mit dem Einsetzen in den Umkarton ein Handgriff von 5 Sekunden – mit 16,50 € Kalkulationssatz gerechnet rund 2,3 ct je Set. Das Starter-Kit aus dem Beispiel braucht insgesamt 54 Sekunden, bei 6.000 Kits rund 90 Arbeitsstunden oder 24,7 ct Handarbeit je Kit. Im Richtpreis von 35 ct – 1,10 € je Starter-Kit sind Waage und Ausgangskontrolle bereits enthalten. Richtwerte 2026 – unverbindlich. Ihr konkretes Angebot erhalten Sie nach Anfrage und Muster.
Damit wir Sollgewicht und Toleranz schon vor dem Erstmuster einschätzen können, genügt eine Stückliste mit Gewichtsangabe je Position. Wie sich die Kontrolle in die ganze Set-Bildung einfügt, zeigt die Seite So arbeiten wir; für Kits mit Gerät und Zubehör gilt die Leistung Starter-Kits, Zubehör- und Ersatzteilsets.